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Gedicht des Monats
An dieser Stelle werden in monatlicher Folge Gedichte von Verlagsautoren präsentiert, um auf das Lyrikprogramm des Verlages aufmerksam zu machen. Einige Gedichte sind bereits erschienen, andere aber werden hier erstmals publiziert.

JUNI 2021

Friedrich von Hindersin (1858-1936)

Das Sonnett an das Sonnet

Seltsame Wunderblume der Sonnette,
Verborgen blühst du in des Waldes Weiten.
Wie aus des Purpurrothen Kelches Bette
Die gelben Fäden süßen Duft verbreiten!

Es mögen andre Dichter um die Wette
Mit ihren Liedern um die Schönen streiten!
Ein leichter Vers, er findet, da die Stätte,
Wo leichtes Herz mag leichten Sieg bereiten. ¿

Wer wahrhaft liebt, kann nicht von Liebe lassen,
Und lieben muss er, ob verschmäht er bliebe,
Dann immer wandelt Liebe sich in Hassen. ¿

Verschlungner Reime seltsames Getriebe,
Sonnettenform allein vermag zu fassen
Verhaltne Gluten tief verborgner Liebe.

Aus: Sonette über das Sonett. Anthologie zum Metasonett in der deutschen Dichtung
Hrsg. von Matthias C. Hänselmann
Passau 2021, S. 243

MAI 2021

Givet, Eglise

Sonne dringt durch bunte Fenster.
Farben steigen auf zu Dir.
Breite deine Arme aus,
lass uns fließen im Strom,
träumen vom Licht.
Weiße Fluten steigen.
Schwarze Steine werden golden.
Die Gräber strahlen.

Aus: Willi Arnolds: Du wirst mich finden am Montmartre. Bilder aus Frankreich.
Passau 2020.
© Ralf Schuster Verlag, Passau.

APRIL 2021

Regina Magdalena Limburger (~1639-1691)

Nachrufgedicht für den 1681 verstorbenen
Dichter Sigmund von Birken ("Floridan")

Man mag die Lebens-Uhr/ wohin man will verdrehen/
Doch giebt sie keine Ruh/ ihr Stand ist Unbestand;
Die Unruh lässet sich wol fühlen: wo nicht sehen:
So richtet unsern Lauf des höchsten Künstlers Hand.
Offt schweigt der Herzens-Schlag/ der Himmels-Zeiger stecket/
indem der faule Rost den freyen Paß verschleusst;
bis eine Kreuzes-Last die Räder wieder wecket/
und GOtt sein Gnaden-Oel in alle Fugen geusst.
Jndessen bleibt es fest/ daß Hoffnungs-Circuln wanken;
Du hast uns den Compaß/ O Floridan/ verrückt!
Durch deinen frühen Fall entstehen die Gedanken:
Dein Tod und Leben wird aus einem Bild erblickt.
Ob manche falsche Uhr nicht zeiget/ wie sie schläget/
Doch traffen Gang und Klang in deiner redlich ein:
Du hast den Ausspruch wol gedreht und überleget/
Drum konte auch hernach dein Thon gewichtig seyn.
Dich hat der scharfe Zahn des Sorgen-Rads benaget/
bis dich die schwere Last der Krankheit überwug;
und jene Stunde kam (die mancher noch beklaget)
da deine Lebens-Uhr den Garaus endlich schlug.
Nun ruhest du mit Lust/ die Last blieb auf der Erden/
Diß Meisterstück ist nicht zerbrochen/ nur zerlegt!
Was jetzt vertheilet ist/ soll einst ergänzet werden:
Wie daß die Unruh dann sich ewig in uns regt?

Aus: Die Pegnitzschäferinnen. Eine Anthologie. Passau 2009.

MÄRZ 2021

Alte Torglocke
(Schloss Kronburg)

Sie schlief,
voll schönem Klang

Dem tiefen Brunnen gleich,
in dem der Spiegel
wachte

© Andreas König